Arbeitsmaterialien der Praxis: Arbeitsblätter, Stifte und Sanduhr auf dem Tisch

Psychotherapie

Wie ich arbeite: Verhaltenstherapie

Ich arbeite verhaltenstherapeutisch. Was das im Behandlungsraum bedeutet, wie eine Stunde abläuft und wo eine ambulante Therapie an ihre Grenzen kommt, lesen Sie auf dieser Seite.

Das Verfahren

Verhaltenstherapie für Kinder und Jugendliche

Verhaltenstherapie geht davon aus, dass Verhalten, Gedanken und Gefühle zusammenhängen und dass sich beides beeinflussen lässt – nicht durch Einsicht allein, sondern durch neue Erfahrungen. Vier Grundsätze prägen dabei die Arbeit in dieser Praxis.

01

Erst verstehen, dann verändern

Am Anfang steht keine Deutung, sondern eine Beobachtung: Wann tritt das Problem auf, was geht ihm voraus, was folgt darauf? Aus diesen Zusammenhängen wird verständlich, warum sich ein Verhalten hält, obwohl es allen schadet – etwa weil die Angst kurzfristig sinkt, sobald ein Kind zu Hause bleiben darf.

Dafür sammeln wir in den ersten Wochen konkrete Beispiele aus dem Alltag, oft mit Ihrer Hilfe. Was dabei herauskommt, überrascht Familien regelmäßig: Häufig liegt der Auslöser woanders als vermutet.

Konkret heißt das: Wir arbeiten mit Situationen aus der vergangenen Woche, nicht mit allgemeinen Aussagen über den Charakter Ihres Kindes.

02

Verändert wird im Tun, nicht im Reden

Einsicht allein verändert selten etwas – sonst gäbe es keine Prüfungsangst bei Jugendlichen, die genau wissen, dass sie gut vorbereitet sind. Neue Erfahrungen entstehen erst, wenn etwas anders gemacht wird als bisher, und zwar in kleinen, vorher abgesprochenen Schritten.

Deshalb ist der wichtigste Teil einer Behandlung nicht das Gespräch über die Woche, sondern das, was zwischen den Stunden ausprobiert wird. Was nicht klappt, ist dabei kein Rückschlag, sondern Information: Dann war der Schritt zu groß.

Konkret heißt das: Jede Stunde endet mit etwas Überschaubarem für die Woche – nie mit einer Aufgabe, der Ihr Kind nicht zugestimmt hat.

03

Bei Kindern läuft es über das Spiel

Ein Achtjähriger kann nicht erklären, was ihn im Bauch drückt – er zeigt es. Deshalb läuft die Arbeit mit jüngeren Kindern über Spiel, Rollenspiel, Geschichten und Gestalten, und die Erkenntnisse entstehen im Handeln statt im Gespräch darüber.

Bei Jugendlichen verschiebt sich das: mehr Gespräch, mehr eigene Beobachtungen, Aufgaben, die sie selbst formulieren. Was gleich bleibt, ist die Vorbereitung – geübt wird nur, was vorher besprochen war.

Konkret heißt das: Je jünger das Kind, desto größer der Anteil der Elternarbeit – bei sehr kleinen Kindern arbeite ich zeitweise überwiegend mit Ihnen.

04

Niemand arbeitet allein

Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie findet nie nur im Behandlungsraum statt. Sie als Eltern haben eigene Termine, in denen es um den Alltag zu Hause geht – in der Regel alle vier bis sechs Wochen.

Auf Ihren Wunsch und mit Ihrer schriftlichen Entbindung von der Schweigepflicht arbeite ich außerdem mit Schule, Kita, Jugendhilfe oder der behandelnden ärztlichen Praxis zusammen. Den Umfang legen Sie fest, und Sie erfahren vorher, worüber gesprochen wird.

Konkret heißt das: Ohne Ihre Zustimmung gebe ich keine Information weiter – die einzige Ausnahme ist akute Gefahr.

50Minuten pro Sitzung
pro Woche, feste Uhrzeit
4–6Wochen zwischen Elterngesprächen
12–80Stunden je nach Bewilligung

Im Raum

Was in einer Stunde passiert

Wie eine Stunde aussieht, hängt vom Alter ab – bei jüngeren Kindern überwiegt das Spiel, bei Jugendlichen das Gespräch. Der Aufbau bleibt aber ähnlich, und genau diese Wiederholung gibt Halt.

Minute 0–10

Ankommen

Ein kurzer Blick auf die Woche: Was war gut, was war schwierig? Bei jüngeren Kindern läuft das nebenbei, während sie sich im Raum umsehen und ihr Material wiederfinden.

Minute 10–20

Thema finden

Wir greifen auf, was gerade ansteht, oder arbeiten an dem, was wir uns vorgenommen hatten. Was drängt, hat Vorrang – ein Plan, der an der Realität vorbeigeht, hilft niemandem.

Minute 20–40

Üben

Rollenspiel, Spielmaterial, Arbeitsblätter oder eine konkrete Übung – je nach Alter und Anliegen. Hier passiert der eigentliche Teil der Behandlung.

Minute 40–50

Abschluss

Was nimmt Ihr Kind mit in die Woche? Die Vereinbarung ist klein und freiwillig, und sie wird nie über den Kopf Ihres Kindes hinweg getroffen.

Was geübt wird, bespreche ich vorher mit Ihrem Kind. Überrumpelt wird hier niemand – gerade bei Ängsten ist die Berechenbarkeit ein Teil der Behandlung.

Ehrlich gesagt

Wo eine ambulante Therapie an Grenzen stößt

Nicht jedes Anliegen lässt sich in einer Praxis behandeln. Diese Einschätzung treffe ich früh und sage sie Ihnen klar – statt Sie Monate zu begleiten und dann festzustellen, dass es nicht reicht.

Bei akuter körperlicher Gefährdung

Etwa bei einer Essstörung mit kritischem Gewicht oder bei akuter Selbstgefährdung: Dann reicht eine ambulante Behandlung nicht aus.

Was dann passiert: Ich helfe Ihnen, den richtigen Weg zu finden, stelle den Kontakt zur Klinik oder Institutsambulanz her und begleite Sie durch die ersten Schritte.

Wenn Medikamente sinnvoll sind

Als Psychotherapeut darf ich keine Medikamente verordnen. Bei manchen Störungsbildern ist eine medikamentöse Behandlung aber fachlich angezeigt.

Was dann passiert: Ich arbeite mit einer kinder- und jugendpsychiatrischen Praxis zusammen – mit Ihrer Zustimmung und in dem Umfang, den Sie festlegen.

Wenn die Familie im Mittelpunkt steht

Manchmal liegt das Thema weniger beim Kind als im Familiensystem – etwa bei einem festgefahrenen Sorgerechtsstreit.

Was dann passiert: Dann ist eine Familien- oder Erziehungsberatung der passendere Weg, und ich nenne Ihnen konkrete Anlaufstellen in Berlin.

Wenn Ihr Kind gar nicht mitkommt

Zwang funktioniert in der Psychotherapie nicht, deshalb versuche ich es gar nicht erst. Verweigerung ist trotzdem kein Ausschlusskriterium.

Was dann passiert: Wir beginnen zunächst mit Elterngesprächen. Häufig ändert sich die Haltung des Kindes im Lauf der Zeit von selbst.

Feste Termine sind kein Formalismus.
Verlässlichkeit ist Teil der Wirkung.
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Kontakt

Termin für die Sprechstunde anfragen

Rufen Sie an oder schreiben Sie mir kurz, worum es geht. Sie erhalten innerhalb von zwei Werktagen eine Rückmeldung. Wenn ich Ihnen keinen Platz anbieten kann, sage ich Ihnen das direkt und nenne Ihnen Anlaufstellen, die weiterhelfen – statt Sie auf einer Liste warten zu lassen.

Praxis Maik Mersmann

Wenn es akut ist

Bei akuter Selbstgefährdung oder einer psychischen Krise warten Sie bitte nicht auf einen Therapietermin.

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